Digitale Transformation als Kern moderner Steuerpolitik
Die fortschreitende Digitalisierung des öffentlichen Sektors ist längst kein politisches Zukunftsthema mehr, sondern eine unmittelbare Notwendigkeit. Die Föderale Modernisierungsagenda, die Bund und Länder gemeinsam vorantreiben, soll die Verwaltung leistungsfähiger, transparenter und serviceorientierter machen. Über 200 geplante Maßnahmen bilden den Rahmen, um Bürokratie zu reduzieren, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und die digitale Kommunikation zwischen Unternehmen, Bürgerinnen und Bürgern sowie Behörden zu vereinfachen. Ziel ist ein Staat, der verlässlich agiert und zugleich modernste digitale Instrumente nutzt, um Verwaltungsverfahren effizienter zu gestalten.
Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, aber auch für Einrichtungen mit komplexen Verwaltungsstrukturen wie Pflegeheime oder Krankenhäuser, bedeutet diese Agenda eine erhebliche Entlastung. Zahlreiche Tätigkeiten, die bisher mehrfach dokumentiert oder gemeldet werden mussten, sollen künftig automatisiert über Schnittstellen laufen. Dadurch können sich Unternehmen stärker auf ihre eigentlichen Kernaufgaben konzentrieren, statt wertvolle Ressourcen mit papiergebundenen Prozessen zu binden.
Weniger Bürokratie durch intelligente Datenverknüpfung
Ein wesentlicher Bestandteil der Agenda ist die Vereinfachung steuerlicher Melde- und Auswertungspflichten. Die oberste Maxime lautet dabei: Daten, die der Steuerverwaltung bereits bekannt sind, dürfen nicht mehrfach abgefragt werden. Praktisch bedeutet dies, dass unternehmerische und persönliche Steuererklärungen künftig stark verschlankt werden könnten, wenn bestehende digitale Informationen automatisiert in neue Verfahren einfließen. Für Steuerpflichtige – insbesondere für Rentnerinnen und Rentner, aber auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – ist eine deutliche Verringerung des administrativen Aufwands denkbar. Für Steuerberatungen und unternehmerische Buchhaltungen ergeben sich ebenso Chancen, etwa durch die Standardisierung von Datenflüssen und die Entlastung bei der Belegprüfung.
Ein Beispiel für die konkrete Umsetzung dieses Ansatzes liefert das Innovationsprojekt „Die Steuer macht das Amt“, das in Hessen gestartet wurde. Dabei übernimmt die Finanzverwaltung eigenständig Teile der Steuerberechnung, basierend auf vorhandenen Datenquellen. Der Mehrwert liegt auf der Hand: Eine verbesserte Automatisierung der Veranlagung reduziert Fehler, beschleunigt Prozesse und schafft Vertrauen in die Leistungsfähigkeit digitaler Systeme. Gleichzeitig unterstreicht dieses Pilotprojekt den Willen der staatlichen Institutionen, von föderal modellierten Pilotversuchen zu lernen und zukunftsweisende Praxisstandards zu etablieren.
Bürokratieabbau durch Beteiligung der Wirtschaft
Eine wesentliche Ergänzung der Modernisierungsagenda ist die Einführung des sogenannten EinfachMachen-Portals, einer digitalen Plattform, die Unternehmen, Verbände und Privatpersonen aktiv in die Gestaltung effizienter Verwaltungsstrukturen einbindet. Über das Portal können bürokratische Hemmnisse direkt gemeldet und Verbesserungsvorschläge eingereicht werden. Der Gedanke dahinter folgt einem modernen Governance-Prinzip: Partizipation schafft Akzeptanz und Innovation. Wenn Unternehmen ihre Erfahrungen aus der Praxis einbringen, können Verwaltungsvorgänge realistischer und unbürokratischer gestaltet werden.
Für kleine und mittelständische Betriebe ist diese Einbindung von besonderer Bedeutung. Sie erleben tagtäglich, wie hinderlich doppelte Nachweispflichten, redundante Formulare oder unklare Schnittstellen zur Finanzverwaltung sind. Eine digitale Rückkanal-Möglichkeit wie das EinfachMachen-Portal erlaubt der Praxis, diese Probleme zeitnah zu kommunizieren. Für das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung ist dieses Feedback ein wertvolles Instrument, um Reformvorhaben gezielt an tatsächlichen Bedarfen auszurichten. Das stärkt insgesamt das Vertrauen in staatliches Handeln und reduziert Reibungsverluste innerhalb der Steuerverwaltungsprozesse.
Unabhängigkeit des steuerberatenden Berufsstands als Voraussetzung fairer Kontrolle
Parallel zur technischen und organisatorischen Modernisierung steht die Wahrung der beruflichen Selbstbestimmung und Integrität der Steuerberaterinnen und Steuerberater im Fokus. Hintergrund sind Diskussionen über mögliche Änderungen im Steuerberatungsgesetz, insbesondere im Hinblick auf das sogenannte Fremdbesitzverbot. Dieses stellt sicher, dass Steuerberatungsgesellschaften nur von Angehörigen des Berufsstands gehalten und kontrolliert werden dürfen. Dadurch soll verhindert werden, dass externe Investoren – beispielsweise Private-Equity-Häuser – Einfluss auf mandatsbezogene Entscheidungen nehmen oder wirtschaftliche Interessen gegenüber der unabhängigen Beratungsleistung priorisieren.
Der steuerberatende Berufsstand ist ein zentraler Pfeiler rechtsstaatlicher Kontrolle in Steuerangelegenheiten. Eine Aufweichung seiner Unabhängigkeit würde nicht nur das Berufsrecht infrage stellen, sondern auch das Vertrauen von Unternehmen und Bürgerinnen in die Neutralität steuerlicher Beratung gefährden. Aus diesem Grund wird in Fachkreisen und Verbänden mit Nachdruck betont, dass Digitalisierung und Modernisierung der Verwaltung Hand in Hand mit der Sicherung professioneller Unabhängigkeit gehen müssen. Nur wenn Beratung frei von sachfremdem Druck erfolgt, kann sie die Rolle als vermittelnde Instanz zwischen Staat und Wirtschaft weiterhin erfüllen.
Fazit: Digitalisierung mit Augenmaß und Verantwortung
Die Föderale Modernisierungsagenda markiert einen entscheidenden Schritt in Richtung einer modernen, digital vernetzten und serviceorientierten Steuerverwaltung. Sie eröffnet erhebliche Effizienzpotenziale für Unternehmen und Steuerberatungen, verlangt aber zugleich klare rechtliche Rahmenbedingungen, um die Unabhängigkeit der beratenden Berufe zu schützen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es gelingt, diese Balance zwischen technischer Innovation und rechtlicher Stabilität zu wahren.
Unsere Kanzlei begleitet kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Buchhaltungs- und Verwaltungsprozesse. Wir unterstützen Mandantinnen und Mandanten aus unterschiedlichen Branchen bei der Einführung moderner, rechtssicherer Abläufe, die Kosten senken und Ressourcen freisetzen. Mit unserer Erfahrung in der Prozessoptimierung und der digitalen Steuerberatung tragen wir dazu bei, dass Unternehmen die Chancen dieser Modernisierungsagenda optimal nutzen können.
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